Rumänien ist ein sehr gastfreundliches Land. Überall winken die Menschen, sei es von den Feldern, vom Straßenrand oder aus dem Zug. Auch der Lokführer läßt es sich nicht nehmen, das Signalhorn zu betätigen oder zu winken. Ist man derjenige welcher zuerst winkt, so wird man oft mit einem herzlichen Lächeln überrascht.

Die Menschen sind neugierig und sehr aufgeschlossen. Sie sprechen Sie auf der Straße an und wollen wissen woher Sie kommen. Sie erklären oft das Eine oder Andere. Andere versuchen das Autokennzeichen zu deuten. Und es kann durchaus passieren, dass Sie für die Dauer einer Zugfahrt eine persönliche Reisebegleitung finden.

Geschichte

Unter slawischem Einfluss mit dako-römischen Wurzeln

Dass Rumänien römische Wurzeln haben muß ahnt man schon am Wort 'Romania'. Wirklich bewußt wird dies einem jedoch, wenn der Schlafwagenschafner freundlich mit 'bunã seara' willkommen heißt.
Anfang des 2. Jahrhunderts wurden die Daker unter dem König Decebal (87-106) von den Römern erobert. Dakien wurde unter der 165 Jahre andauernden römischen Herrschaft romanisiert. Die Daker lernten Latein, römische Verwaltungsstrukturen wurden eingeführt und die Wirtschaft wuchs.
Auf Grund von Unruhen und der beginnenden Völkerwanderung mußten sich die Römer im Jahre 271 zurückziehen. Im 7. Jahrhundert verdrängten die Slawen die Byzantiner vom Balkan.

Geschichte Walachei

Das Fürstentum Walachei wurde Mitte des 14. Jahrhunderts gebildet. Ein halbes Jahrhundert später fiel es bereits unter türkische Herrschaft, welche bis Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte.

Ab dem Jahre 1739, in Folge der österreichisch-russisch-türkischen Kriege gelangte die Kleine Walachei (Oltenien) unter Habsburger Herrschaft.

90 Jahre später wurden große Teile der Walachei zum russischen Protektorat. Somit stand die Region im 19. Jahrhundert unter russischem, unter türkischem und unter österreichischem Einfluss. In Folge des österreichisch-französisch-britischen Garantievertrages wurden 1859 die Wojewodschaften Walachei und Moldau vereinigt.

Geschichte Moldau

Das Fürstentum Moldau entstand 1359 unter Bogdan. In den darauf folgenden 40 Jahren wurde das Fürstentum politisch und terretorial stabilisiert. Danach folgten unter Alexandru cel Bun (Alexander der Gute) 30 Jahre des Aufschwungs.

Im Jahre 1456 geriet das Moldaugebiet unter türkische Oberhoheit. Der Kampf gegen die Türken ging aber weiter. In dieser Zeit entstanden auch die Moldau-Klöster als Zeichen der Dankbarkeit für gewonnene Schlachten gegen die Osmanen. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts war der Kampf endgültig verloren.

Die Nordmoldau wird seit dem Jahre 1775 Bukowina genannt. Damals wurde dieses Gebiet österreichisches Kronland. In Folge des österreichisch-französisch-britischen Garantievertrages wurden 1859 die Wojewodschaften Walachei und Moldau vereinigt.

Nach dem 2. Weltkrieg verlor Rumänien den Norden der Bukowina an die Sowjetunion. Seither gibt es die 'Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik', das heutige Moldawien.

Geschichte Transsilvanien (Siebenbürgen)

Im Jahre 1004 eroberte der ungarische König Stefan der Heilige das von Dakern besiedelte Gebiet 'hinter den Wäldern'. Ungarn förderte nicht nur die Ansiedlung von Szeklern sondern auch von Deutschen, den Siebenbürger Sachsen. Sie bekamen kostenloses Land zugewiesen, waren zwar dem ungarischen König unterstellt, aber ansonsten frei. Im Siebenbürgischen Landtag waren Deutsche, Szekler und Ungarn vertreten, aber keine Daker. Siebenbürgen war eine der ersten Demokratien in Europa!

Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden die Bauernburgen. Sie boten Schutz gegenüber den Türken und waren mit Getreidekammern ausgestattet. Weiters wurden die Dorfkirchen mit Wehrgängen, Wehrtürmen, Schießscharten und Vorratskammern zu Wehrkirchen erweitert.

Im 16. und 17. Jahrhundert stand Siebenbürgen unter türkischer Oberhoheit und erlebte, dank seiner relativen Autonomie, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Im Jahre 1699 wurde Siebenbürgen und etwas später, 1718 das Banat, an das Habsburger Reich angegliedert. Von da an kamen die Banater Schwaben, Sathmarschwaben, Deutschböhmer, Zipser Sachsen und Landler sowie andere deutsche Volksgruppen nach Siebenbürgen.

Im Jahre 1918 schloss sich Siebenbürgen auf Grund eines Beschlusses der rumänischen Voksgruppe an den rumänischen Staat an.

Geschichte Dobrudscha

Im 7. und 6. Jahrhundert v.Chr. gründeten griechische Siedler die Kolonie Histria. Die Griechen lieferten den Geto-Dakern Wein, Öl, Keramik und Schmuck, diese wiederum hatten Getreide, Tiere, Honig und Wachs zu tauschen.

Vom ersten bis Anfang des 7. Jahrhunderts war die Dobrudscha unter römischer Herrschaft,

danach kamen die Awaren und Slawen in das Land.

Von 1389 bis 1878 war es unter osmanischer Oberhoheit. Seither ist die Nord-Dobrudscha bei Rumänien. Die Süd-Dobrudscha fiel an Bulgarien und war nur zwischen dem 2. Balkankrieg (1913) und dem Ende des 2. Weltkrieges (1945) bei Rumänien.

Geschichte Rumänien

Königreich Rumänien

Erst 1862, also 3 Jahre nach der Vereinigung der Fürstentümer Walachei und Moldau, entstand das Fürstentum Rumänien. Nachdem Russland den Krieg gegen die Türken gewann erlangte Rumänien 1878 seine Unabhängigkeit.

Im Jahre 1881 wurde Rumänien zum Königreich und unter Carol I. erlebte das Land eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Blütezeit.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden Siebenbürgen (bisher Ungarn), die Bukowina (bisher österreichisches Kronland) und Bessarabien (bisher Russland) an Rumänien angeschlossen.

Am 6. September 1940 wurde Rumänien zum faschistischen Staat, nachdem Dekrete gegen Juden und Zigeuner erlassen wurden und 1938 die Königsdiktatur eingeführt wurde.

Volksrepublik Rumänien

Im Jahre 1947 wurde Rumänien zur Voksrepublik welches bereits seit 1944 von der Roten Armee besetzt war. In den folgenden Jahren wurden die Industrie und der Handel verstaatlicht, landwirtschaftliche Genossenschaften errichtet und die politische Opposition verboten.

Ceausescu

Der rumänische Neostalinismus

Ceausescu 1981
Nicolae Ceausescu, 1981 Quelle: Corbis

Gheorghe Gheoghiu-Dej wurde 1952 erster kommunistischer Parteichef. Er, selbst Stalinist, förderte die Karriere von Nicolae Ceausescu.

Während seiner Zeit entstand in der Baragan-Steppe ein riesiges Konzentrationslager, in dem die Menschen in freier Natur ausgesetzt wurden. Ohne Dach über dem Kopf, mußten die Menschen wie Tiere leben.

Anfang der 60er Jahre begann Rumänien den Anspruch zu erheben, den Sozialismus auf seine eigene Weise zu verwirklichen.
1964 wurde eine Parteiresolution verabschiedet, welche jede Einmischung in Rumäniens innere Angelegenheiten ausdrücklich zurückwies.
1967 nahm Bukarest diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf.
1968 protestierte Ceausescu gegen die militärische Niederschlagung des 'Prager Frühlings' durch sowjetische Truppen!
1974 wurde Ceausescu Staatspräsident. Es begann eine Zeit des Terrors und der Bespitzelung.

Die Securitate war immer und überall.

Um die Ceausescus entstand ein Kult. Ihr Name wurde nur in Verbindung mit Superlativen ausgesprochen. Elena, seine Frau, hatte auch großen Einfluß auf Ihren Mann und somit auch auf Politik und Wirtschaft. Sie hatte selbst kein Studium absolviert, dennoch war sie erste 'Wissenschaftlerin des Volkes'. Sie war mehrfacher Doktor und Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Auszeichnungen und Titel sammelte sie wie andere Briefmarken.

Obwohl es schon in den 70er-Jahren riesige Industrialisierungs- u. Wohnbau-Programme gab, wurden in den 80-Jahren die Pläne Ceausescus, Rumänien zu einem 'Vorzeigestaat' zu machen, immer extremer.

Es war ein Systematisierungsprogramm geplant durch welches etwa die Hälfte aller Dörfer geschleift werden sollten. Die Bauern hätten in landwirtschaftlich-industriellen Komplexen gearbeitet.

Das Land sollte auch kinderreich werden. Deshalb waren Verhütungsmittel streng verboten. Abtreibungen waren nur Frauen ab 45 oder mit mindestens 5 Kindern erlaubt. Gynäkologische Zwangsuntersuchungen in den Betrieben sollten Schwangerschaften so früh wie möglich entdecken.

Nachdem das Diktatorenehepaar nach tagelanger Irrfahrt durch das Land, am 24.12.89 verhaftet wurde, erfolgte am Tag darauf deren Hinrichtung. Die Geschichte und die Umstände der Revolution, einschließlich der Verhaftung und Verurteilung, sind bis heute nicht zur Gänze geklärt. Auch nicht die Massaker an den Demonstranten die über 1000 Leben forderten.

Die Personen die rund um den neuen Präsidenten Ion Illiescu 1990 die Macht übernahmen waren die gleichen wie zuvor. Heute ist die Demokratie langsam im Aufbau.

Politische Parteien

Die wichtigsten Parteien

Partei Politische Richtung Gründung
Nationalliberale Partei nationalliberal 1869
Sozialdemokratische Partei sozialdemokratisch 1893
Konservativdemokratische Partei konservativ 1908
Nationaldemokratische Partei (PND) nationalliberal 1910
Bauernpartei agrarsozialistisch 1918
Rumänische Kommunistische Partei (PCR) kommunistisch 1921
Eiserne Garde faschistisch 1930
Rumänische Arbeiterpartei kommunistisch 1948
Demokratische Konvention Rumäniens (CDR) liberal 1992
Sozialdemokratische Union (USD) sozialdemokratisch 1992
Partei d. sozialen Demokratie (PSDR) national-konservativ 1993

Politische Persönlichkeiten

Staatsoberhäupter und Regierungschefs im 20. Jahrhundert

Regierungszeit Name (Dynastie) Regierungszeit Name (Dynastie)
1881 - 1914 Carol I. (Hohenzollern) 1952 - 58 Petru Groza
1914 - 27 Ferdinand I. (Hohenzollern) 1958 - 61 Ion Gheorghe Maurer
1927 - 30 Mihai I. (Hohenzollern) 1961 - 65 Gheorghe Gheorghiu-Dej
1930 - 40 Carol II. (Hohenzollern) 1965 - 67 Chivu Stoica
1940 - 47 Mihai I. (Hohenzollern) 1967 - 89 Nicolae Ceausescu
1947 - 48 Mihai Sadoveanu 1990 - 96 Ion Illiescu
1948 - 52 Constantin Ian Parhon seit 1996 Emil Constantinescu

Fakten

Fläche 237.500 qkm
Einwohner ~23.000.000
Hauptstadt Bukarest
Amtssprache Rumänisch
Weitere Sprachen Ungarisch, Deutsch, Serbisch
Währung 1 Leu (Mehrzahl Lei) = 100 Bani
Bevölkerungsdichte 97 / qkm
Bevölkerungszusammensetzung Rumänen 89%, Ungarn 7%, Zigeuner ~2%, Deutsche 0,5%, andere (Türken, Ukrainer, Russen, Tataren, Lippowaner, Serben, Slowaken, Kroaten, Bulgaren, Griechen, Armenier ..) 2%
Religionen Rumänisch-Orthodox 86,8%, Katholiken 5%, Sonstige 8,2%

Geographie

Im Nordenwesten liegt die Siebenbürgische Hochebene welche im Westen von den Rumänischen Westgebirgen und im Süden und im Osten von den Karpaten umrahmt wird.
Die Rumänischen Westgebirge werden oft auch als Westkarpaten bezeichnet. Die Karpaten selbst bedecken in etwa ein Drittel des Landes.
An dieses ringförmige Gebirge wiederum schließt im Westen das Westrumänische Tiefland an, ein Teil der Pannonischen Tiefebene. Im Süden folgen die Subkarpaten und im Osten das Hochland der Moldau.
An beides wiederum fügt sich südlich die Rumänische Tiefebene an, welche sich im Osten bis zur Donauniederung erstreckt. Die südliche Grenze bildet bis dahin die Donau, ehe sie Richtung Norden fließt um an der Grenze zur Ukraine das Donaudelta zu bilden.

Rumänien grenzt im Norden und im Südosten an die Ukraine, im Nordwesten an Ungarn, in Südwesten an Jugoslawien, im Süden an Bulgarien und im Osten an Moldawien.

Wirtschaft

Landwirtschaftliche Produkte wie Getreide, Ölpflanzen, Zuckerrüben, Obst und Wein dominieren. Weiters gibt es Forstwirtschaft, Viehzucht, Bergbau, Erdöl- und Erdgas-Gewinnung.

Heute werden für viele Betriebe der Schwer- u. Chemie-Industrie ausländische Investoren gesucht. Viele von ihnen sind erst im Wahn Ceausescus, das Land zu einer Industrie-Nation zu machen, entstanden.

Kultur

Küche

Das Essen ist allgemein recht schmackhaft. Rumäniens Küche ist deshalb interessant finde ich, weil viele nationale Gerichte von den Zutaten zwar gewöhnlich wirken, von der Zubereitung bzw. der Kombination der Beilagen aber oft eigenwillig und neu.

Komponisten

Paul CONSTANTINESCU (13.7.1909 - 20.12.1963) Grigoras DINICU (3.4.1889 - 28.3.1949)
Emanuel ELENESCU (1911) Georges ENESCU (19.8.1881 - 4.5.1955)
Iosif IVANOVICI (1845 - 29.9.1902)    
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